Als Stewardess lebt man den Traum vom ewigen Reisen, sieht die Welt, liegt in den besten Hotelbetten und trinkt Schampus über den Wolken.

Stewardess

Wirklich wahr?

Hannah, alias Ku(e)chenrebellin, hat 6 Monate lang als Stewardess gearbeitet und die Welt bereist. Sie lässt uns hinter die Kulissen ihrer Fliegerzeit blicken und nimmt uns mit auf Weltreise.

Mehr Infos zu Hannah, ihren Reisen und den besten Cafés der Welt findest du auf ihrem Blog www.kuechenrebellin.de

 

Reisen als Stewardess oder der Weg ist das Ziel

Die letzten sechs Monate bin ich als Stewardess um die Welt geflogen. Und immer wieder wurde ich mit Klischees konfrontiert: „Ah, du bist jetzt Stewardess, da machst du ja eh nur Urlaub.“ Auch das altbekannte „Saftschubse“ bekommt man ab und an zu hören. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach. Ich habe dann immer gesagt: „Ich fliege jetzt für den Kranich.“ Denn nimmt man es mal ganz genau, dann ist der Weg unser Ziel. Schließlich ist es in allererster Linie unsere Aufgabe, die Passagiere in Punkto Service und Sicherheit optimal auf ihrem Flug von A nach B zu betreuen. Und ob das „B“ nun L.A., Delhi oder Hamburg ist, das spielt dabei für unsere Aufgabe an Bord an sich keine Rolle.

Klar, das Reisen ist ein wunderbarer Nebeneffekt, es gibt wohl kaum Flugbegleiter, die den Job sonst so sehr genießen würden. Tatsächlich muss man dafür auch einiges in Kauf nehmen. Zumindest wenn man in Vollzeit fliegt, denn man lebt dann zumeist aus dem Koffer, Familie und Freunde müssen zurückstecken und auch der Körper dankt einem die ständige Zeitverschiebung und Höhenstrahlung nicht unbedingt.

Welcome on Board – das multikulturelle Abenteuer beginnt

Doch was macht dann den Reiz aus? Für mich begann das Abenteuer immer mit jedem einzelnen Flug aufs Neue. Da kann es sich dann um eine Fünf-Tagestour quer durch Europa oder um eine Langstrecke nach Shanghai handeln. Es ist immer wieder spannend. Verschiedene Kulturen und Persönlichkeiten prallen im Flugzeug aufeinander. Auf so einem Flug ist man in einem abgeschlossenen System, ein Stück „Welt von da unten“ wächst für die Zeit des Fluges zu einer Art „multikulturellem Ort“ zusammen. Das klappt mal besser, mal schlechter. Eben das ist das Besondere und für mich wesentlicher Bestandteil der Reise.

Doch wie ist das dann eigentlich vor Ort? Da gibt es ja die wildesten Gerüchte. Die ganze Crew verlässt nach dem Flug das Flugzeug gemeinsam und man wird mit einem Crew Bus ins jeweilige Crewhotel gebracht. Ja, wir haben sehr gute Crewhotels, aber mal ehrlich: nach einem langen Nachtflug möchte man einfach nur noch in ein ordentliches und sauberes Bett. Zudem sind die meisten Crewhotels recht zentral, damit man auch einfach was machen kann. Sicherheit ist natürlich auch wichtig, gerade an Zielen wie Sao Paulo. Essen ist übrigens nicht inkludiert, dafür bekommt man dann einen bestimmten Spesen Satz.

Die Welt ist mein Zuhause

Generell wird das Reisen als Stewardess sehr viel intensiver. Man hat auf der Langstrecke regulär meist nur 24h oder zwei Tage Aufenthalt. Auf der Kurzstrecke sind es in der Regel nur 12h Layover. Gerade deshalb habe ich insbesondere am Anfang versucht die knappe Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Man inhaliert jeden Moment. Ich erinnere mich gut an mein erstes Layover in Helsinki. Wir sind abends um elf im Hotel gewesen und vormittags schon wieder weiter. Und trotzdem habe ich mir einen Wecker gestellt und war in einem Studenten-Café frühstücken, habe die mit einer natürlichen Schönheit gesegnete blonde junge Frauen und Finnen mit Vollbart beim Kaffee Trinken beobachtet, das Treiben in den Straßen der schon osteuropäisch angehauchten Stadt auf mich einwirken lassen und die kühle Meeresbrise gespürt. Diese Momente sind toll. Als ich das erste Mal für 24h in New York war, bin ich auf das Empire State Building hoch und habe runter geblickt und mich ganz klein gefühlt. Das sind die Augenblicke in denen man denkt, ja ich habe alles zu 100% richtig gemacht! Das entschädigt für die anstrengenden Flüge mit oft noch anstrengenderen Gästen. Das Schöne ist, dass man so viele Städte und Orte in nah und fern kennen lernt. So ging es mir mit Lissabon. Dort war ich wirklich oft und habe mich schon fast etwas zu Hause gefühlt und doch immer Neues entdeckt.

Wie das mit dem Jetset-Leben so ist

Aber mit der Zeit stumpft man auch ab. Das dritte Mal im Big Apple? Naja, man geht halt shoppen. Manchmal ist man auch einfach zu müde gewesen, um noch großartig was zu machen. Und so habe ich noch etwas gelernt in meiner Flieger-Zeit, ich habe gelernt, dass es zu Hause eben doch am schönsten ist. Man freut sich immer wieder auf Daheim. Auf das eigene Bett. Familie. Freunde. Man merkt schnell, welche Freunde trotzdem Kontakt halten und wer sich nicht mehr meldet. Denn auch das ist ein Aspekt, den man nicht vergessen darf: man erlebt Alles alleine. Auch wenn sich oft was mit Crewmitgliedern ergibt, noch schöner wäre ein Sonnenuntergang in Malibu mit dem Freund oder Einkaufen in Istanbul mit der Schwester. Shanghai, Dubai, Sao Paulo, Delhi und das alles in einem Monat. Oft kann ich gar nicht mehr sagen, wann ich wo war. Man fliegt von Ziel zu Ziel, von Dienstplan zu Dienstplan – die Zeit vergeht unwahrscheinlich schnell.

Meine Damen und Herren – wir haben unseren Landeanflug begonnen

Meine Kranich-Zeit ist schon wieder vorbei. Ich bin sechs Monate zwischen Studium und „richtigem Bürojob“ geflogen. Und ich hätte die Zeit nicht besser nutzen können, schaue Flugzeugen am Himmel sehnsüchtig nach. Mein Fazit ist: du selber bist es, der das Beste daraus machen muss. Man muss sich auf andere Kulturen einlassen, sich perfekt organisieren, trotz Müdigkeit in aller Frühe in Paris auf den Markt gehen, nach einem harten Flug in Barcelona Tapas essen oder in Brasilien Maracuja Caipi trinken. Ich habe so unendlich viel gelernt und bin wirklich nochmal gereift. Bin selbstbewusster und selbstständiger geworden. Fliegen verändert einen. Man weiß Alltägliches mehr zu schätzen, nicht nur weil man erlebt hat, wie Kinder in Indien in den Slums leben. Man weiß, dass gemeinsame Zeit kostbar bist.

Ich kann nur sagen, trotz allen Strapazen und Vorurteilen, einer nicht einfachen dreimonatigen Ausbildung sowie einer großen Verantwortung – von Evakuieren im Notfall bis hin zur Geburtshilfe – ich wäre jederzeit wieder Ready for Take Off. Nun wünsche ich noch allen – sei es als Crewmitglied oder Gast – always happy landings!

PS: nach dem nächsten Flug beim Aussteigen einfach mal Danke sagen und dafür ein ehrliches Lächeln beim Flugbegleiter gewinnen.

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Europa trifft auf Asien – Sonnenuntergang in Istanbul

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Delhi, auf einem typischen Markt. Für mich der größte Kulturschock in den 6 Monaten.

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Sau Paulo – Blick aus dem Hotelzimmer dank Demonstrationen vor der WM

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Shanghai – Eintauchen in die asiatische Metropole

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Indien – Ein besseres Viertel. Ich habe noch nie so glückliche Menschen gesehen, obwohl sie einfach nichts haben.

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New York – Sonnenaufgang an der Brooklyn Bridge. Big Apple ist einfach einzigartig.

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Malibu, Paradise Cove. Wirklich das Paradies – trotz Jetlag.

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Paris, Louvre. Denn Kultur muss sein!

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Menschen in den Straßen Barcelonas