Im folgenden Artikel soll die Reproduktionsfotografie näher betrachtet werden. Der Artikel richtet sich an professionelle- sowie Laienfotografen und Interessenten der Reproduktionsfotografie. Die Reprofotografie an sich entspringt dem Zweig der Reproduktionstechnik.

Reprofotografie

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Der Fokus dieser Methode liegt auf der technischen Reproduktion von zweidimensionalen Vorlagen wie beispielsweise Wandbildern oder Gemälden. Ziel sollte es sein, die Vorlage originalgetreu mit Farben und Kontrasten wiederzugeben. Für einen besseren Einstieg in dieses komplexe Thema, sollen vorab einige Grundbegriffe der Fotografie wiederholt werden.

Grundbegriffe der Fotografie

1. Belichtungszeit

Die Belichtungszeit oder auch Verschlusszeit ist ein sehr relevanter Parameter für ein Bild.
Die Belichtungszeit bestimmt dabei drei wichtige Faktoren:

I) Die Belichtungszeit gibt an, wie lange Licht auf den Bildsensor fällt. Damit wird über sie bestimmt, ob das Bild ausreichend belichtet worden ist.
Lange Verschlusszeit = lange Öffnung der Blende = helles Bild

II) Die Belichtungszeit bestimmt die Schärfe des Bildes. Bei einer langen Belichtungszeit besteht die Gefahr, dass das Bild verwackelt. Gerade bei Dunkelheit empfiehlt sich eine lange Belichtungszeit. Aber aus der Hand wird das Bild unscharf werden. Deswegen sollte hier unbedingt ein Stativ genutzt werden.

III) Die Belichtungszeit bestimmt das Motiv. Bei bewegten Bildern kann ich mich für die Darstellung der Bewegung oder eines statischen Moments entscheiden.
Kurze Verschlusszeit = kurze Öffnung Blende = Einfrieren des Objektes

Die Belichtungszeit wird in Sekunden, in folgender Schreibweise angegeben: 1/X. Bei 1/10 besitzt man nun eine Belichtungszeit von Zehntelsekunde. Je höher der Wert wird, umso schneller löst die Kamera aus. Dies benutzt man bei schnellen, dynamischen Aufnahmen, um das Bild einzufrieren.

2. Blende

Wenn die Belichtungszeit regelt, wie lange Licht auf den Sensor der Kamera fällt, dann gibt nun die Blende an, wie viel Licht dabei auf den Sensor fällt. Beide Eigenschaften zusammen verändern das Motiv maßgeblich. Wenn man nun wissen möchte welche Blendenzahl man besitzt, reicht ein Blick auf das Objektiv aus. Dort ist der Sitz der Blende. Prinzipiell kann die Blende komplett geöffnet sein, die „ Offenblende“ oder schrittweise geschlossen werden. Ob man die Lichtmenge verringert oder vergrößert, lässt sich ganz einfach merken.

Kleiner Blendenwert = große Blendenöffnung = viel Licht
Großer Blendenwert = kleine Blendenöffnung = wenig Licht

Man muss sich vorstellen, dass die Blende die Kamera quasi schließt. Benutze ich eine große Blende, schließe ich viel von der Kamera und nehme ihr damit das Licht, ich blende somit ab und vice versa. Bei einer Aufnahme mit einer kleinen Blendenöffnung kann das Bild verwackelt oder unterbelichtet sein. Hier empfiehlt sich der Einsatz eines Stativs. Besitzt man ein Objektiv, an dem sich die Blende weit öffnen lässt, kann man auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch fotografieren. Besonders geeignet dafür sind Festbrennweiten. Objektive mit Festbrennweiten erlauben es, die Blende sehr weit zu öffnen.

Durch den Einsatz der Blende, erlangt meine Kamera viele Einsatzmöglichkeiten, um eine bessere Bildeinstellung zu ermöglichen und um Motive interessanter zu machen. Durch die Blende kann ich Schärfentiefe am Bild erzeugen. Das bedeutet, ich entscheide darüber ob mein Vordergrund sowie mein Hintergrund scharf sein sollen, oder ob ich den Hintergrund verschwimmen lassen will. Die Schärfentiefe bestimmt den Bereich, der scharf zu sehen ist. Für Portraits oder Detailaufnahmen bietet sich ein unscharfer Hintergrund an, damit der Vordergrund besser im Fokus steht. Bei Landschaftsaufnahmen sollte der gesamte Bereich des Bildes scharf sein. Aber dabei kann natürlich, je nach Auftrag
oder Interesse unterschieden und ausprobiert werden. Prinzipiell gilt:

Kleiner Blendenwert = große Blendenöffnung = Hintergrund unscharf (wenig Schärfentiefe)
Großer Blendenwert = kleine Blendenöffnung = gesamtes Bild scharf (hohe Schärfentiefe)

3. ISO-Wert

Der ISO- Wert ist für die Lichtempfindlichkeit des Sensors zuständig. Geringe ISO-Werte zeigen eine geringe Lichtempfindlichkeit an und werden verwendet, wenn bereits genügend Licht vorhanden ist. Hohe ISO-Werte eignen sich für bewölkte Tage oder Innenräume. Er ist im Gesamtkontext mit Zeit und Blende zu verstehen. Dennoch, erhöht man den ISO-Wert, so kann es bei dunklen Stellen zu einem Rauschen im Bild kommen.

4. Weißabgleich

Ein weiterer Faktor für ein optimales Ergebnis ist der Weißabgleich. Er bezeichnet die Farbanpassung an die aktuellen Lichtverhältnisse, denn weiß ist nicht immer weiß und für die Kamera nicht immer zu erfassen, so wie wir es sehen. Um den Weißabgleich zu verstehen, muss man die Physik des Lichtes verstehen. Aus Rot, Grün und Blau entsteht weißes Tageslicht. Doch Licht kann sich verändern und somit auch seine Farbtemperatur. Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben. An der Kamera lässt sich der Weißabgleich automatisch oder manuell einstellen.

Vollautomatisch – Bei Situationen mit einheitlicher Lichtstimmung oder in geschlossenen Räumen ist ein vollautomatischer Abgleich geeignet.

Halbautomatisch – Hierbei stellt man in der Kamera ein, bei welchen Verhältnissen man sich gerade aufhält (bewölkt, sonnig, Kunstlicht..). Es handelt sich hierbei um eine Voreinstellung der Kamera.

Manuell – Die manuelle Einstellung allein, kann die exakten Verhältnisse wiedergeben. Zunächst stellt man im Menü der Kamera ein, dass man die nächste Aufnahme als Weißabgleich nutzt. Hierbei sollte ein weißes Objekt oder ein weißer Zettel fotografiert werden. Dies ist der Referenzwert für die folgenden Lichteinstellungen. Das weiße Blatt Papier muss formatfüllend sein und in geringem Abstand zur Kamera gehalten werden.

Manueller Weißabgleich mit Graukarte – Ein optimales Ergebnis erhält man mit dem Einsatz einer Graukarte. Sie verhindert Gelbstiche durch zu unnatürliches Weiß des Papiers. Die Karte kann ca. 18 % des Lichts reflektieren. Damit sind der Weißabgleich unabhängig vom Umgebungslicht und das graue Bild auf dem Monitor farbecht.

Repro(duktions)fotografie

Am Beispielbild des Wandbilderproduzenten LanaKK sollen folgende Schritte erklärt werden.

Reprofotografie-lanakk

© https://www.lanakk.com/

Bei der Reprofotografie muss ausreichend Licht vorhanden sein. Am besten stellt man dazu vier Leuchten, an jeder Ecke eine, auf. Sie strahlen im 45° Winkel auf das Original. Dabei sollte auf eine gleichmäßige Ausleuchtung geachtet werden, mittig sowie an den Rändern. Gerade bei größeren Gemälden sollte dies beachtet werden.

Es ist zu beachten: Bei dunklen Motiven ist die Reflektion des Lichts sehr gering. Die Kamera sollte nicht zu lange belichten, damit das Bild nicht zu hell wird.
Bei hellen Motiven ist die Reflektion entsprechend höher. Die Belichtungszeit sollte folglich nicht zu kurz gewählt werden.

Abhilfe schafft man bei diesem Problem mit einem Flashmeter, einem Belichtungsmesser, der das Licht misst, welches auf das Motiv trifft. Auch die angesprochene Graukarte kann hier helfen. Die Graubalance kann später mit Hilfe eines Fotobearbeitungsprogramms und der Pipettenfunktion abgeglichen werden.

Durch eine Graukarte wird die gemessene Zeit/Blendenkombination in der Kamera eingestellt und für alle Repros übernommen.
Gerade bei Malerei ist die Reprofotografie sehr anspruchsvoll. Gemälde besitzen oft unterschiedliche Strukturen, die es zu übernehmen gilt. Ist die Oberfläche flach, sollte das Licht flach eingestellt werden. Bei einer strukturierten Oberfläche ist eine punktgenaue Einstellung essentiell, um die Höhen und Tiefen auszugleichen. Oft besitzen Gemälde auch extreme Farbvarianten und unterschiedliche Stiche. Diesem Problem begegnet man mit dem manuellen Weißabgleich. Trotzdem sollte man darauf achten, dass man kein gemischtes Licht hat.

Der optimale Ort für die Reprofotografie ist draußen, bei bedecktem Himmel zur Mittagszeit. Das Licht ist eher indirekt und schattenfrei, somit sehr weich und ideal zu verwenden. Das Objektiv sollte generell verzerrfrei sein und zu 100 % stabil, mittig ausgerichtet sein.

Zum Abschluss noch einmal die wichtigsten Tipps:

  • Höchste Auflösung verwenden
  • Stativ benutzen
  • Weißabgleich/ Graukarte verwenden
  • Blitz ausschalten
  • ISO Wert 100/ 200- Lichteinstellung über kleine Blende, kurze Belichtungszeit
  • Sauber kalibrierter Monitor (DTP-Monitor)

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren eigenen Repros!