Nichts für Zaungäste des kollektiven Frohsinns: meine Damen und Herren, heute hier, morgen da und zwischendurch auf pascromag.de: Inka Chall. Die Frau mit dem lustigsten Impressum im weiten WWW.
Mit ihrer sympathischen Schreibe verzückt sie ihre werte Leserschaft und nimmt sie mit auf Tour. Ob auf einem Floß in Brandenburg oder auf einem Kamel in Kasachstan. Inka macht überall eine gute Figur und weiß davon zu berichten. Weitgereist und viel berichtend unterhält sie unter www.blickgewinkelt.blogspot.de einen der lesenswertesten Reiseblogs überhaupt.

Trommelwirbel und Hip Hip Hooray für Inka. Habe die Ehre!

Salut Inka. Stell dich doch bitte der werten Leserschaft kurz oder lang vor.
Inka, nicht Inga oder Ilka, worauf ich allergisch reagiere, Kindheitstrauma. Ganz furchtbar gute Ohren, was mir vor meiner Umwelt häufig grausen lässt und diese vor mir. Ich gucke gerne weit, mag Eis-, Salz- und Sandwüsten, lebe aber auch gerne in Berlin. Ich arbeite in einem normalen Job, was mir kaum noch jemand glaubt, allerdings nur 4 Tage/Woche, weil ich sonst mit meinen Hobbies nicht klar komme.

Dein Blog lautet blickgewinkelt. Wie kam es zum Namen und worum geht’s?
Ich bin auf dem Blickwinkel ausgerutscht und heraus kam das Adjektiv. Weil ich Wörter und besonders Adjektive mag, bin ich irgendwie an diesem Wort hängengeblieben.

Der Untertitel ist „Codename Lila Männchen schiebt Boxen“. Wenn das jemand googelt hast nen SEO-Volltreffer gelandet. Was hat es mit dem Codenamen auf sich?
Das wüsste ich auch gerne. Jemand suchte mal im Netz nach „Lila Männchen schiebt Boxen“ und fand – mich. Das war damals ein Volltreffer und das nur, weil ich mal eine Kiste mit einer Vogelspinne vor mir stehen hatte, Spinnentherapie und so, ja, echt, ich habe das Ding auf meine Hand genommen! (http://blickgewinkelt.blogspot.de/2012/07/yes-i-did-it-achtung-ekelgefahr.html)
Echt jetzt, und das mir Spinnenphobiker. Für das Serotonin, was eine Stunde später freigesetzt wurde, würde ich das glatt noch einmal machen.
Aber jetzt bin ich irgendwie vom Thema abgekommen. Passiert. Daher lautet der heimliche Untertitel meines Blogs auch „Abschweifen“.

Der Unteruntertitel deiner Seite lautet „Reisen. Sehen. Fotografieren. Schreiben. Und buddeln.“ Gleichzeitig bist du aber „Eisverliebt“. Buddeln im Eis stell ich mir schwierig vor. Wasn nun? Hast du ein bevorzugtes Klima?
Ich seh schon, „Abschweifen“ wäre irgendwie doch die bessere Wahl. Ich habe natürlich vorher eine Million Euronen für SEO-Infos, Kundenbindungstussies und Webseitenoptimierungstypen ausgegeben und die haben alle gesagt, ich brauch so ne griffige Tag-Line.
Ich buddel im Garten, ich reise ins Eis, ich schreibe über alles Mögliche und ich mache auch mal woanders Urlaub. Ja, ich liebe Eis, aber fürs Festlegen auf irgendwas bin ich zu gierig.

„Über Emma & mich“ lautet ein Menüpunkt. Wer bitte ist Emma?
Meine Kamera.

Und was hat es mit „die Big Tour“ auf sich?
Das war die Reise, wegen der mein Blog entstand: „Von Atacama bis Antarctica“, hieß das damals, ich bin von Nordchile bis runter in die Antarktis gereist in 10 Wochen.
Mittlerweile sollte ich die Info wohl löschen, denn das Blog ist nun nicht mehr die „Big Tour“. Aber wie das so ist: Die Blogoptimierung bleibt immer hinten an, das Schreiben selbst macht ist nun mal der Spaß daran. Zurück bleibt ein kleines Chaos.

Warum reist du?
Warum ich reise? Was ist das denn für eine Frage. Warum fragst du, warum ich reise? Warum wohnst Du?

Wohin ging deine erste Reise? Und wie lange warst du unterwegs?
Ins Leben. 9 Monate.
Ganz ehrlich, ich tue mich einfach schwer mit der Definition von „Reisen“. Wenn ich im Herbst drei Tage den Kranichen in Deutschland hinterherjage, ist das auf jeden Fall eine Reise für mich. Wenn ich wie am vergangenen Wochenende 2 Tage auf einem Floß durch Brandenburg schippere, reise ich auch. Ins Kino gehen kann auch eine Reise sein, oder wenn ich im Garten buddel oder ein Buch lese, um es überspitzt zu sagen. Eine Woche in Tunesien am Strand liegen ist aber wiederum keine Reise für mich. Das ist ein dämlicher Urlaub.

Hast du ein Vorbild in Sachen reisen?
Nein.

Wie viele Wochen, Monate pro Jahr bist du unterwegs?
Das habe ich gerade gar nicht so richtig auf dem Schirm. Ich fahre viel am Wochenende weg, nutze die Feiertage und schiebe manchmal meine freien Freitage hin- und her. So komme ich auf einiges mehr als die 28 Urlaubstage, aber monatelang bin ich nicht unterwegs, da war die Big Tour eine Ausnahme.

Wo bist du gerade? Und wo geht’s als nächstes hin?
Gerade bin ich in Island, anschließend kommt ein Monat Pause, damit ich meine vermutlich 2800 Bilder bearbeiten kann, dann geht’s mit der Familie nach Schweden. Was danach kommt, ist noch nicht in trockenen Tüchern und wird deshalb nicht verraten.

Du bist leidenschaftliche Backpackerin. Gibt es außer deiner selbst ein Lieblingsfortbewegungsmittel?
Ja, ich fürchte – shame on me – es ist das Auto, dabei habe ich nichtmal einen Führerschein. Aber in den letzten Jahren bin ich immer mehr Fan von Roadtrips geworden, es ist einfach klasse, so unabhängig zu sein und einfach loszudüsen.

In deinem Blog www.blickgewinkelt.blogspot.de liest Mann und Frau sehr viele, sehr schöne Berichte rund ums Reisen. Deine Schreibe ist extrem sympathisch. Sogar das Impressum, eine eher tröge Veranstaltung, ist voller Salz und Pfeffer. Wie kamst du zum Schreiben, bzw. zum Bloggen?
*husthonigumsmaulschmiererhust*
Danke. Wie viele andere Blogger habe ich schon früher geschrieben. In den 80ern in Kladden, Anfang der 90er, als es noch keine Blogs in dem Sinn gab, hackte ich dann meine ersten Texte auf eine selbstgezimmerte Webseite. Weil das aber ziemlich umständlich war, habe ich damit dann Mitte der 90er wieder aufgehört, schade auch, sonst wäre ich wohl heute die erste Deutsche Bloggermama.
Allerdings habe ich damals eher Kurzgeschichten geschrieben und kurze Gedanken und Anekdoten. Dabei ist auch das Wort „blickgewinkelt“ entstanden.

Was magst du am Bloggen und was nicht?
Schön ist das Schreiben und das Festhalten von Erinnerungen. Dass ich mich damit gut zwingen kann, mich mit meinen Fotos zu beschäftigen. Blöd ist diese ständige Konkurrenz unter Bloggern, das Gezanke um „wer macht’s richtig“. Da schockiert mich so manches Mal die Intoleranz in dieser Szene. Hippie geht anders.

Würdest du auch bloggen, wenn du nicht reisen würdest?
Auf jeden Fall, das tue ich ja auch schon. Und die Nicht-Unterwegszeiten sollen in Zukunft auch noch mehr ins Blog wandern, denn ich entdecke ja auch genug in meinem Alltag, was ich spannend finde.

Viele schöne Reisefotos finden sich auf deiner Webseite. Wie hast du den Weg zur Fotografie gefunden?
Ein Freund hat mir Honig ums Maul geschmiert, dass ich das ganz bestimmt kann. Ich habe mich jahrelang dafür interessiert, mich aber für eine fürchterliche Fotografin gehalten. Mit dem Ansporn habe ich es vor vier Jahren mal ernsthafter versucht und bin selbstverständlich noch unzufrieden mit den Fotos, aber zufrieden mit meinem Weg.

Wir wissen nun das „Emma“, also deine Canon EOS 600D, immer dabei ist. Hast du sonst noch ein unverzichtbares Fotoequipment auf Reisen dabei?
Zwei Ersatzakkus und eine Ersatzkamera. Auf einem mehrtägigen Trek wäre mein Alptraum, dass der Akku nicht durchhält, und aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass eine Ersatzkamera goldwert sein kann. Ich habe natürlich auch mehrere Objektive, Stative, Linsen usw., aber in der Regel reicht mir ein Objektiv und meine Kamera. Irgendwas geht immer.

Was darf sonst noch alles mit in Inkas Reisegepäck?
Wer das wirklich wissen will, schaut am Besten in meine Packlisten rein. Ich brauche nicht viel und nehme meist nur deshalb etwas mehr Klamotten mit, um nicht doof aufzufallen. Für mich selbst oder wenn ich alleine im Wald unterwegs bin, brauche ich wirklich wenig. Bei einer Bloggerreise neulich staunten die anderen nicht schlecht, als ich nur mit einem kleinen Handgepäckrucksack daherkam und dennoch alles Nötige dabei hatte. Ein Notizbuch ist z.B. Pflicht, und mein geliebtes Notfall-Kit, mit dem auch mal die Kinder bespaßt werden können, indem man die Notfallsachen zweckentfremdet.

Mit der modernen Technik wird das Reisen extrem planbar und bequem. Die nächste Tankstelle findet sich per App, genauso wie das kostengünstigste Hotel. Auch die Wettervorhersage bleibt dank Smartphone kein Zufall mehr. Fluch oder Segen?
Fluch. Da brauche ich nicht lange nachdenken. Man nutzt immer die Möglichkeiten, die man hat. Habe ich eine Kooperation, verlangen es die Kooperationspartner ja sogar. Das Abenteuer bleibt da leider häufig aus. Nur in manchen Gegenden findet man noch Unsicherheit, Kazakhstan war bei mir so ein Fall.

Sparst du dein Reisebudget im Vorfeld komplett an oder arbeitest du unterwegs?
Ich spare an, denn ich habe ja sehr limitierte Urlaubstage, da wäre mir arbeiten weniger recht. Ausnahme: Gegen Kost und Logis bei der Traubenernte beim Winzer helfen. Wolle ich schon letztes Jahr machen, mal sehen, wann es endlich klappt.

Dein bester Tipp um auf Reisen keine bösen Überraschungen zu erleben?
Böse Überraschungen sind genauso notwendig wie gute. Nein ehrlich, ich tue mich schwer mit Tipps. Ich plane und reise sehr intuitiv, manches möchte ich vorher wissen, anderes nicht.

Dein bester Tipp um auf Reisen schöne Überraschungen zu erleben?
Sich auf Überraschungen einlassen.

Deine bisherigen Lieblingsorte? Und warum?
Für mich ist Glücksgefühl nicht an einen Ort gebunden, sondern an ein Erlebnis zu einer bestimmten Zeit: Der erste Sternenschnee im Jahr, leuchtend blaues Eis, Kraniche über mir. Die erste Fernwanderung, Bergpanoramen, das Lächeln des Mannes. Leckerer Tee, ein gemütliches Bett. Und dann die Verknüpfung von solchen Sachen zu einem perfekten Timing.
Aber wenn Du unbedingt bezaubernde Orte hören willst: Der Salar de Uyuni ist nicht umsonst so ein hochgelobtes Reiseziel, das nördliche Piemont finde ich fantastisch, die Antarktis selbstverständlich, deren Wildheit man auch noch auf einem Touristenschiff fühlen kann, Feuerland, der Darss, Lissabon, Brandenburg.

Ein unterschätztes Reiseziel ist:
Deutschland, insbesondere die neuen Bundesländer, ganz vorne selbstverständlich mein schwergeliebtes Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern ist wunderschön, besonders die Küste, und Thüringen habe ich bisher auch unterschätzt, konnte ich neulich feststellen. Und das Schöne: Die Leute dort lieben ihre Heimat, man kommt schnell ins Gespräch, wenn man neugierige Fragen stellt. Gerade letztes Wochenende auf der Floßtour durch Brandenburg habe ich mal wieder gedacht: Wieso eigentlich wollte ich unbedingt für teuer Geld und schlechte Ökobilanz an den Amazonas? Brandenburg ist für mich ein echter Traum.

Was ist schlimmer: Fernweh oder Heimweh?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Wenn ich Fernweh habe, tue ich etwas dagegen. An das Gefühl Heimweh kann ich mich nicht erinnern, obwohl ich sehr gerne Zuhause bin.

Warum sollten alle Menschen mehr reisen?
Sollten sie denn? Das sehe ich nicht so. Es stimmt leider nicht, dass Menschen durchs Reisen schlauer oder toleranter werden. Auch unter Dauerreisenden finden sich wahre Idioten.

Als Berlinerin: wo muss der Berlin-Touri hin, um sich nicht als Touri zu fühlen?
Ohgott, ich hasse diese Frage. Ich bin eine naturverbundene, unternehmens- und hobbysüchtige Angestellte, verpartnert mit einem Papa von 4 Kindern. Da bleibt nicht viel Zeit für Berlin, ehrlich gesagt. Also ok, ich krame Mal: Wie wärs mit einem Spaziergang um den Lietzensee in Charlottenburg, oder auf dem Friedhof Stahnsdorf? Das könnte gehen, da treibt sich mit Sicherheit kein Touri rum und man fühlt sich gleich wie ne olle Berliner Kamelle.

Welche Blogs liest du gerne?
Zu viele! Ich habe doch keine Zeit!

Deine 3 Tipps für alle Reisenden.
Keine Tipps. Oder doch, ok, den einen: Tu nicht so, als könntest Du weniger Reisenden die Welt erklären.

Platz für Grüße und „Hallo“s
Ein herzliches Jambo an den einen Leser, der bis hierhin durchgehalten hat.
Pssst: Ich habe sogar ein paar Fragen nicht beantwortet, denn Pascal ist total verrückt, der hörte überhaupt nicht mehr auf mit der Fragerei! 😉

www.blickgewinkelt.blogspot.de
Codename „Lila Männchen schiebt Boxen“

IMG_9149Inka Chall, blickgewinkelt, reiseblogInka Chall, blickgewinkelt, reiseblogInka Chall, blickgewinkelt, reiseblog