Sebastian Onufszak ist ein international renommierter Designer, Illustrator und Director. Der Weg dorthin wurde ihm bereits in frühester Kindheit geebnet, denn schon als kleiner Junge verbrachte er, gewappnet mit Buntstiften und Papier, viele Stunden an der Kunstakademie in Breslau, wo seine Eltern Ende der 70er Jahre studierten. Nachdem er bereits nach Abschluss seines Kommunikationsdesign-Studiums bald zum Art Director und später Creative Director in verschiedenen Designbüros und Animationsstudios aufstieg, wagte er 2009 den Sprung in die kreative Freiheit als selbstständiger Designer. Seither hat seine Leidenschaft für expressives Design hochrangigen Kunden wie Adidas, IBM, Audi oder Karl Lagerfeld gedient. Seine kommerziellen und persönlichen Arbeiten wurden in zahlreichen Büchern, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Als Dozent für Bewegtbild an der Hochschule Augsburg bildet er die nächste junge Generation von Designern aus. www.onufszak.com

Wenn man deine vielen und hochwertigen Arbeiten sieht, fragt man sich, ob dem Mann 24 Stunden am Tag mehr zur Verfügung stehen als dem Rest der Welt. Lässt du das Essen sein oder bist du ein konsequenter Tagesplaner?
Ich bin eher ein konsequenter Tagesplaner — ein strukturiertes Vorgehen ist mir unheimlich wichtig. Morgens den Posteingang prüfen, eine halbe Stunde auf den Designblogs und sozialen Medien die neuesten Beiträge lesen und dann setze ich mich auch schon mit einem Kaffee an die aktuellen Projekte. Während der Arbeit versuche ich mich vor allem nicht abzulenken, sondern beschäftige mich konsequent mit dem Thema. Dann kann es schon vorkommen, dass es 2 Uhr nachts wird und ich die Zeit total vergessen habe.

Wie gehst du an neue Projekte heran? Du wirst ein Briefing erhalten und dann? Waldspaziergänge mit viel Zeit für Inspiration oder geht es direkt Knall auf Fall?
Es hängt natürlich vom Briefing der Agentur oder des Kunden ab. Meistens starte ich aber ganz klassisch mit einem weißen Blatt Papier vor mir und versuche meine ersten Ansätze mit Schlüsselwörtern und kleinen Skizzen zu manifestieren. Inspirationen hole ich mir für die Projekte anhand von Moodboards, die ich aus Illustrationen und Fotos aus dem Internet, aus Büchern, Magazinen und eigenen Fotografien erstelle. Diese visuellen Eindrücke bespreche ich mit dem Kunden – noch bevor die ersten Entwürfe entstehen. Damit vermeide ich unnötige gestalterische Ansätze. Mir ist es wichtig, diesen Dialog sehr früh zu führen, um eine andere Perspektive im kreativen Prozess zu erhalten.

Wie und wann entscheidest du dich für eine Technik?
Welche Technik ich für ein Projekt verwende, versuche ich erst spät in der Konzeption zu definieren. Die Technik sollte zum Kunden, zur Aufgabenstellung passen. Als Designer besteht die Hauptaufgabe darin die beste, gestalterische Lösung für die Herausforderung zu finden, nicht seinen persönlichen Stil einem Produkt aufzuschreiben — wenn ich meinen persönlichen Stil auf jedes Projekt anwende, dann habe ich die Aufgabe eines Gestalters verfehlt, mich mit den Inhalten und Eigenschaften auseinander zu setzen.

Gibt es bei der Technikfrage einen Unterschied zwischen privaten Projekten und einem Kundenprojekt?
Bei privaten Projekten experimentiere ich gerne mit unterschiedlichen Techniken — von der Collage über Zeichnungen bis zu digitalen 3D-Arbeiten. Für mich sind persönliche Arbeiten das Ergebnis meines kreativen Spielplatzes, auf dem ich meine Sandburg genau nach meinen Vorstellungen bauen kann. Hier kann ich Prozesse ausprobieren, die mir später in meinen kommerziellen Projekten von Nutzen sind. Natürlich klappt nicht jeder Ansatz, aber aus diesen Fehlern versuche ich zu lernen, so dass ich diese später vermeiden kann. Kreativität ist wie ein Muskel, den man ständig trainieren muss — deshalb helfen mir persönliche Projekte, nie stehen zu bleiben und mich weiter zu entwickeln.

Als Kind hast du bereits viel Zeit an der Kunstakademie verbracht, an der deine Eltern studierten.
Hattest du dadurch einen Plan für dich, was du beruflich machen möchtest? Eine Art innere Marschrichtung?
Ja, für mich war eigentlich immer klar, dass es ein kreativer Beruf wird. Geprägt von meinen Eltern hatte ich immer den Wunsch, gestalterisch tätig zu sein. Während andere Kinder Polizist oder Pilot werden wollten, hatte ich Grafik-Designer als Ziel. Und es gibt wirklich nichts Besseres, als seine Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben.

Was würdest du heute machen, wenn du damals nicht den Weg in dein Kommunikations-Design-Studium eingeschlagen hättest?
Genau das Gleiche, nur ohne Diplom. Schon vor der Aufnahmeprüfung zum Studium war ich mir dessen bewusst — Designer mit oder ohne Abschluss. Damals hatte ich natürlich als großes Ziel in einer großen Werbeagentur zu arbeiten — bin aber mittlerweile sehr froh, dass ich nach der Ausbildung in kleineren Designstudios und Animationsstudios gearbeitet habe, bevor ich mich selbständig gemacht hat. Persönlich habe ich dort viele Erfahrungen gesammelt — vom Kundenbriefing über die Produktion mit einem Team bis zur Druckabwicklung mit Lieferanten. Dieser Einblick in die unterschiedlichen Teilbereiche ist sehr lehrreich.

Gibt es Künstler, deren Arbeiten du besonders magst?
Wenn es um klassische Künstler geht, finde ich die abstrakten Werke von Picasso oder die surrealistischen Arbeiten von Salvador Dali großartig — beide sind natürlich auch herausragende Persönlichkeiten des letzten Jahrhunderts, die auf unterschiedliche Art und Weise ihre Kreativität ausgelebt haben. Im Bezug auf Design waren meine früheren Vorbilder Neville Brody oder das Designstudio „The Designers Republic“ aus Sheffield. Während meines Studiums haben mich diese Arbeiten mit Typografie, Grafiken und Icons stark inspiriert. Es gibt einfach unglaublich viele Gestalter, die mich heute auf irgendeine Weise beeinflussen: Paul Rand, Saul Bass, Charmes and Ray Eames, Dieter Rams, Milton Glaser und viele viele mehr.

Viele deiner persönlichen Arbeiten, aber auch die für Ray Ban und MTV, sind eher abstrakt und erinnern mich etwas an die Collagen von Beth Hoeckel, die wie wir hier auch im Interview hatten. Wie ist deine Herangehensweise beim Collagieren? Zerschneidest du auf Vorrat, was dir in die Finger kommt oder hast du eine Vorstellung vom Endergebnis und machst dich explizit auf die Suche nach Bildmaterial?
Bei meinen klassischen Fotocollagen habe ich eigentlich selten ein Bild im Kopf — es ist wie eine Reise ohne exaktes Ziel. Ich starte mit einem Objekt und ergänze es dann mit einem anderen. So lasse ich mich durch die Details im Prozess leiten; erst zum Ende formt sich für mich das Thema und ich überarbeite das gesamte Konzept.

Und im Prozess selbst, Pixelschere oder Schere und Kleber?
Nein, ich arbeite zu 90 Prozent nur am Rechner, da ich mit diesem Medium viel flexibler agieren kann. Diese Freiheit bietet mir schneller die Möglichkeit, unterschiedlichste Variationen bezüglich Farbe und Form auszuprobieren.

Rocket & Wink entwerfen eine Collagen-Bombe nach der anderen. Im Gestalten Verlag erschien 2013 das Buch „The Age of Collage“, u. a. mit Beth Hoeckel. Ist diese alte Technik wieder im Kommen?
Möglicherweise ist die Collage ein wiederauflebender Trend, der sich durch das gesellschaftliche Konsumverhalten unserer Generation neu entwickelt. Als Internetanwender versuchen wir kleine Brocken zu einer Komposition an Informationen zusammenzubauen. Anstatt mehrseitige Abhandlungen zu einem bestimmten Thema zu lesen, begnügen wir uns mit Kurzmitteilungen über Twitter oder Facebook, Halbwissen aus Foren oder Wikipedia. So entsteht manchmal ein anderes Bild, zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Quellen — genau wie bei der künstlerischen Collage.

Ähnlich wie beim wiederkehrenden Buchdruck scheinen die Künstler sich auf die analogen Techniken zu besinnen. Ich selbst finde es befreiend, an einer alten Druckmaschine zu stehen, hier und da etwas einzustellen und die Farben zu riechen. Geht es dir ähnlich, dass du dir hin und wieder eine Auszeit vom Bildschirm gönnst und die Maus gegen die Schere tauschst um dich analog auszutoben?
Eine Auszeit vom Bildschirm finde ich grundsätzlich großartig, mit analogen Werkzeugen zu experimentieren, ist wunderbar. Leider bleibt mir in meinen kommerziellen Projekten sehr selten die Zeit dafür — was ich wirklich schade finde. Bei meinen persönlichen Zeichnungen hingegen genieße ich abzuschalten und nur mit Bleistift und Papier zu arbeiten — dazu gemütlich Musik hören und mich kreativ auszutoben.

Als Duo „John et Paul“ hast du zusammen mit deinem Kompagnon Michael Titze Veranstaltungen und Partys passend zur Musik bebildert. In der Augsburger Szene als auch auf Veranstaltungen in Berlin, Paris, Barcelona und News York wart ihr als VJs vertreten. Wie kam es dazu?
Ich habe schon kurz nach meiner Studienzeit einige experimentelle Projektionen durchgeführt und kam dann in Kontakt mit dem elektronischen Duo „Funkstörung“, deren Musik mich fasziniert hat. So kam es, dass ich bei einigen Auftritten bewegte Bilder zu Musik gestalten durfte. Das waren meine ersten Schritte im Bereich Visuals. Die Zusammenarbeit mit Michael Titze fand dann erst später statt, als wir zusammen mit Freunden eine eigene Veranstaltungsreihe für basslastige, experimentelle Musik namens „Glitch Happens“ hatten — Künstler wie Jimmy Edgar, Machine Drum, Mike Slott und viele mehr waren bei uns zu Gast. Aus diesem Netzwerk ergaben sich Auftritte in Berlin, Paris und New York.

Hat man dabei eine Art musikalisches Drehbuch, an das man die Projektion anpasst oder läuft das spontan zur Musik?
Als VJs agieren wir sehr spontan, abhängig vom jeweiligen Track des DJs oder Live Acts. Dabei versuchen wir, aus schon vorgefertigten kleinen Loopsequenzen die Dynamik des Musikstückes visuell darzustellen. Natürlich kann sich die Animation im Verlauf eines Auftrittes stark ändern — von minimalistisch bis chaotisch — es ist eine hypnotische Reise, inspiriert von den abstrakten Werken der ersten Filmkünstler wie Oskar Fischinger, Hans Richter, Viking Eggeling oder Walter Ruttmann.

Andy Warhol war sozusagen ein früher VJ und hat bereits in den 60er und 70er Jahren Konzerte von The Velvet Underground visuell begleitet. Die heutige Musik ist schneller, basslastiger. Was hat sich verändert im Vergleich zur damaligen Zeit? Worin unterscheidet sich der 2014er-VJ vom 70er Jahre VJ? Außer den Klamotten und den Haaren?
Wie in vielen kreativen Bereichen die Technik — während früher mit Filmprojektoren oder Diaprojektoren gearbeitet wurde, sind Laptop, VJ-Software, Videomischer und Beamer die Hauptwerkzeuge der heutigen VJs. Gestalterisch sind unterschiedlichste Methoden möglich: Verwendung von Video-Collagen, grafische Experimente, Zeichnungen, Typografie, 3D Animationen, Kombination aus diesen Stilrichtungen. Auch das Zusammenspiel von Licht und Projektion, Projektion und Objekt sind für den 2014er-VJ kreative Spielplätze.

Bist du noch aktiv als VJ und kann man euch irgendwo sehen?
Nein, ich selber genieße die Nächte lieber in meinem Bett, als in irgendeinem Club auf der Bühne zu stehen.

Was steht als Nächstes an?
Momentan arbeite ich an einem visuellen Konzept für ein Projection Mapping eines großen Sportartikelherstellers. Gleichzeitig entwickele ich eine Titelsequenz für eine Sportsendung in Dänemark, eine kleine Animation für den Imagefilm eines deutschen Designstudios, ein Pitch für einen bayrischen Autohersteller, zwei Anfragen für den amerikanischen Fernsehmarkt sind noch offen — das Jahr wird auf alle Fälle noch spannend.

Sebastian, vielen Dank, das war´s. Eine abschließende Frage noch: Wer gewinnt die WM?
Ich tendiere zu einer südamerikanischen Mannschaft — Brasilien oder Kolumbien.

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